Project Leadership

Aufschreiben und visualisieren – eine Führungsaufgabe?

Aus meiner Sicht eindeutig ja. Wie häufig saßen Sie in Meetings und hatten den Eindruck, dass die Teilnehmer aneinander vorbei redeten? Wie häufig saßen Sie in Meetings und hatten den Eindruck, dass relevante Beiträge in Vergessenheit geraten sind? Wie häufig saßen Sie in Meetings und hatten den Eindruck, dass das anschließend formulierte Protokoll nicht zum Meeting passte? Mir ist dies unzählige Male passiert.

Dabei ist die Lösung ganz einfach: aufstehen und öffentlich mitschreiben. Schnappen Sie sich einen Stift und los geht’s. Ein Flipchart oder Whiteboard ist in fast allen Besprechungsräumen vorhanden. Und falls nicht, greifen Sie einfach zu elektrostatischen Folien oder Post-Its und schreiben an der Wand. Stichwörter reichen in der Regel völlig aus. Strukturen und Abläufe unterstützen zusätzlich. Und plötzlich heißt es „ach, ich meinte etwas ganz anderes…“ oder „ach, dann fehlt aber noch…“.

Warum ist dies so? Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen:

  • Je mehr Sinne angesprochen werden, desto leichter fällt das Erinnern. Denn je mehr Wahrnehmungsfelder im Gehirn beteiligt sind, desto mehr gedankliche Verknüpfungen können zu dem Thema hergestellt werden.
  • Die Nutzung von Bildern erleichtert das gemeinsame Verständnis. Unser Gehirn erzeugt beim Zuhören und Lesen automatisch Bilder. Allerdings sind diese Bilder jeweils individuell und beziehen sich auf den Kontext und die Erfahrung des Zuhörers / Zuschauers. Das explizite Zeichnen von Bildern vereinfacht das gemeinsame Verständnis.
  • Einprägsame Visualisierungen überzeugen Ihre Zuhörer / Zuschauer. Dies gilt insbesondere für die Aufbereitung von Daten. Visualisierungen führen zu einer größeren Zustimmung bzw. Verhaltensänderung als beispielsweise Tabellen.
Erinnerungsquote

Wie könnten Ihre konkreten nächsten Schritte aussehen?

Phase 1: Schreiben Sie öffentlich. Nutzen Sie Whiteboards, Flipcharts, Folien oder Post-Its. Schreiben Sie genau so, wie Sie in Ihr Notizbuch schreiben. Machen Sie sich keine Sorgen über eine vermeintlich unleserliche Schrift – die Anwesenden kennen den Kontext und sind daher üblicherweise in der Lage, auch Hyroglyphen zu entziffern.

Phase 2: Schreiben Sie öffentlich und ergänzen Sie Struktur. Dies können Verbindungspfeile sein, Hierarchien, Mindmaps o.ä. Dies hilft Ihnen später, Zusammenhänge leichter (auf einen Blick) zu erkennen.

Phase 3: Ergänzen Sie Schrift und Struktur um Zeichnungen und Piktogramme. Sketchnotes lassen sich zügig erlernen – JEDER kann zeichnen, auch Sie. Die Zeichnungen helfen Ihnen einerseits, dass alle Teilnehmer das gleiche Bild vor Augen haben. Andererseits erinnern sich Menschen leichter an Bilder als an Schrift.

Phase 4: Engagieren Sie einen professionellen Visual Facilitator. Die Visualisierung „on the go“ unterstützt Ihre Argumentation, erleichtert das Zuhören und Verstehen und protokolliert die Diskussion und Beschlüsse.

Sie sehen: Führen ist so leicht wie ABC – always be capturing!

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