Management 3.0Project Leadership

Das große Schweigen – oder lieber wertvolles Feedback

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Ich liebe Feedback. Es hilft mir, mich weiter zu entwickeln. Es hilft mir, neue Sichtweisen kennen zu lernen. Es hilft mir, meinen Horizont zu erweitern. Daher stelle ich mir auch immer wieder mal die Frage, wie ich Feedback einsammeln und nutzen kann. Eine Möglichkeit ist das direkte Feedback von Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten. Hier ist man aber immer davon abhängig, wie ernst die Person das Geben von Feedback nimmt. Eine andere Möglichkeit sind Mitarbeiterbefragungen. Im Prinzip gut, aber aus meiner Sicht zu selten. Eine dritte Möglichkeit – an die ich mich lange nicht rangetraut habe – ist Feedback von kompletten Gruppen.

Vielleicht kennen Sie vergleichbare Situationen. Sie berichten über einen kritischen Projektstatus und blicken in versteinerte Gesichter. Keine Reaktion. Sie stellen eine neue Vorgehensweise vor und blicken in verwirrte Gesichter. Keine Frage. Sie moderieren einen Brainstorming-Workshop und können die Zufriedenheit mit den Arbeitsergebnissen nicht deuten. Was tun? Ich habe mit den folgenden Methoden gute Ergebnisse erzielt. Vielleicht kennen Sie die Eine oder Andere und möchten Ihre Erfahrungen ebenfalls teilen. Vielleicht kennen Sie weitere Methoden, die Sie teilen möchten. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Noch ein Hinweis am Rande: Wenn Sie Interesse an Methoden zum Geben von Feedback haben, so empfehle ich Ihnen Abschnitt 3 meines Onlinekurses „Project Leadership“. Hier stelle ich drei Methoden und einige Tipps zum Geben von Feedback vor.

Dot Voting / Return on Time Invested

Eine sehr einfache Methode, um Feedback einzusammeln ist das Dot Voting. Sie malen eine Skala auf ein Flipchart und bitten jeden Teilnehmer, einen Punkt auf dieser Skala zu setzen. Welche Frage Sie stellen ist natürlich Ihnen überlassen. Einige Beispiele:

  • Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis des Workshops?
  • Wie zufrieden sind Sie mit der Durchführung des Workshops?
  • Wie sehr hat sich Ihr Zeiteinsatz gelohnt?

Der große Vorteil ist die Einfachheit. Nachteilig sehe ich die Tatsache, dass Sie nur quantitatives Feedback erhalten aber keine Hinweise, was genau gut (oder schlecht) war.

Fist of Five

Eine weitere einfache Methode ist die Fist of Five. Sie stellen eine beliebige Frage an die Gruppe (analog zu Dot Voting) und auf drei-zwei-eins zeigt jeder Teilnehmer mit der Anzahl seiner Finger die Zufriedenheit o.ä. So können Sie schnell ein Meinungsbild abfragen. Zusätzlich können Sie jeden der Teilnehmer um eine qualitative Aussage bitten oder nur den/die Ausreißer ins positive oder negative.

Der große Vorteil ist die Schnelligkeit. Die Fist of Five kann auch während eines Meetings oder Workshops eingesetzt werden, um ein schnelles Meinungsbild abzufragen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, auf „Ausreißer“ besonders einzugehen. Nachteilig ist die fehlende Anonymität, so dass ein gewisses Grundvertrauen in der Gruppe notwendig ist.

Happiness Door

Die Methode der Happiness Door ähnelt dem Dot Voting. Auch hier haben Sie eine Skala, beispielsweise von zufrieden bis unzufrieden. Sie bitten jeden Teilnehmer, auf einem Post-It konkrete Hinweise / Probleme / Wünsche zu dokumentieren und das Post-It an die richtige Stelle auf der Skala zu kleben.

Auf diese Weise bekommen Sie nicht nur quantitatives Feedback, sondern auch Qualitatives Feedback. Auch diese Methode können Sie am Ende eines Workshops / Meetings nutzen oder beispielsweise kurz vor Pausen.

I like, I wish

Auch bei dieser Methode werden die Teilnehmer gebeten, auf einer Karte oder einem Post-it zu dokumentieren, was Ihnen gut gefällt und wo sie Verbesserungspotenziale sehen. Optional kann die Fragestellung um ein „I wonder“ erweitert werden – damit werden auch konkrete Verbesserungsmaßnahmen erfragt.

Aus meiner Sicht ist diese Methode gut geeignet, um eine gute Balance zwischen positivem Feedback und Verbesserungspotenzial zu erreichen. Durch eine Beschränkung auf jeweils einen Punkt erhalten Sie auch nur die entscheidenden Punkte, an denen Sie arbeiten können.

Fünf Finger Feedback

Sofern etwas mehr Zeit für Feedback zur Verfügung steht, ist das Fünf Finger Feedback gut geeignet, um systematisch die wichtigsten Punkte des Meetings oder des Workshops anzusprechen. Alle Teilnehmer werden um Feedback zu den gleichen Fragen gebeten, die Finger der Hand dienen dabei als Gedankenstütze:

  • Daumen: Das war super…
  • Zeigefinger: Darauf möchte ich hinweisen…
  • Mittelfinger: Das hat mir nicht gefallen…
  • Ringfinger: Das ist mein besonderes Schmuckstück…
  • Kleiner Finger: Das ist mir zu kurz gekommen…

Ich empfehle dabei unbedingt, dass die Teilnehmer die Antworten aufschreiben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die gesamte Gruppe in die Richtung des zuerst Antwortenden gleitet und der Moderator die vielen Punkte nicht schnell genug dokumentieren kann.

Diese Methode ist gut für ein ausführliches Feedback geeignet, wenn ein schriftliches Feedback via Fragebogen nicht üblich oder nicht möglich ist.

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