Management 3.0Project Leadership

Nutzen Sie Farben, Symbole und Namen für eine eigene und gemeinsame Identität

Anna meldete sich nach einigen Wochen wieder. „Hallo Stephan, ich wollte mich mal wieder bei dir melden!“

„Anna, schön, dass du anrufst! Wie geht es dir?“ erwiderte ich.

„Sehr gut, sehr gut… es ist viel passiert in den letzten Wochen. Wir haben uns intensiv Gedanken über die Vision gemacht und noch einige weitere Dinge angepackt. Jetzt bin ich urlaubsreif. Aber vielleicht wollen wir uns im Anschluss wieder einmal treffen? Ich habe kein konkretes Anliegen, ich wollte dir nur mal ein Update geben.“

„Sehr gerne“ freute ich mich, „Schlag einfach einen Termin vor, ich bin flexibel.“

Einige Wochen später trafen wir uns im Incantina zum Lunch. Der Laden war brechend voll, wir fanden nur noch zwei Plätze an einem der langen Gemeinschaftstische. Anna wirkte entspannt und ausgeruht.

„Hey Anna, du siehst gut aus – als ob du noch im Urlaubsmodus bist.“

Anna lachte. „Naja, nicht ganz. Aber der Urlaub war in der Tat sehr erholsam. Und was fast noch schöner ist – während meiner Abwesenheit ist nichts angebrannt, keine Feuer die ich löschen muss, keine großen und kleinen Katastrophen. Meine Leute haben den Laden anscheinend auch ohne mich im Griff – so muss es sein.“

Ich nickte zustimmend. „Ja, das ist die hohe Kunst – sich selbst überflüssig machen.“

Anna schrieb ein paar Sätze auf ein Stück Papier und schob mir den Zettel rüber.

„Wir hatten beim letzten Mal ja intensiv über Visionen gesprochen. Am Ende hatte ich fast selber welche… Wie auch immer: Hier ist sie! Ich möchte nur nicht im Beisein von so vielen Leuten darüber sprechen.“

Ich las die Vision aufmerksam und lies sie auf mich wirken. „Klingt gut. Schön knapp und auf den Punkt gebracht, dabei trotzdem inspirierend. Mich erreichst du damit. Hat dir denn unser letztes Gespräch bei der Formulierung geholfen? Und was haben deine Kollegen gesagt?“

„Jaaaa“ lächelte Anna. „Das war schon gut. Die Diskussion mit den Stakeholdern war wirklich wertvoll. Am Ende sind zwar alle meinem Vorschlag gefolgt, aber die Diskussion hat gezeigt, dass es vorher durchaus unterschiedliche Vorstellungen über Ziele und Prioritäten gab. Die haben wir jetzt ausgeräumt und ich hoffe, dass sich die Beteiligten auch in einigen Wochen noch an die Diskussion erinnern. Viel interessanter war allerdings der Workshop mit meinen Teams.“

„Schieß los!“ forderte ich Anna neugierig auf.

„Nun, zuerst war es eine bunte Mischung. Für einige war eine Vision Hokuspokus. So etwas brauchen wir nicht. Andere fanden die Idee einer Vision charmant, hatten aber etwas völlig anderes im Kopf. Und wieder andere sagten ‘gut auf den Punkt gebracht. Genau das machen wir.’ Über die Diskussion und den Austausch konnten wir dann allerdings ziemlich schnell Einigkeit erzielen. Ich denke, bis auf einen Kollegen stehen jetzt alle hinter der Vision. Und dann passierte etwas völlig Unerwartetes.“

Ich schaute sie erwartungsvoll an.

„Heike brachte das Thema ‚Teamnamen’ und ‚Teamlogos’ auf. Unsere Teams haben eigene Namen und Logos, die sie sich selbst ausgesucht haben. Die Namen und Logos unserer drei Teams haben nichts miteinander zu tun. Das war bis jetzt auch kein Problem, weil bis jetzt jedes Team mehr oder weniger eigenständig gearbeitet hat. Auf einmal haben wir aber ein gemeinsames Ziel. Das war der Ausgangspunkt einer langen Diskussion.“

„Worüber habt ihr denn diskutiert?“ fragte ich neugierig.

„Wir haben quasi ganz am Anfang begonnen. Heike war extrem gut in diesem Thema, sie steuerte die Diskussion immer wieder mit passenden Fragen. Los ging es mit einem Brainstorming zu Symbolen – wo werden Symbole immer wieder genutzt. Wir hatten als Beispiel den ‚DB’ Keks der Deutsche Bahn, der von allen angeschlossenen Unternehmen genutzt wird. Das war eher ein Symbol. Bei der Lufthansa konnten wir uns an das Lufthansa Gelb erinnern, die Farbe wird gezielt genutzt und für die Mitarbeiter ist ‚der gelbe Ausweis’ Statussymbol, Identifikationssymbol und Eintrittskarte in die Welt der Lufthansa. Bei der Telekom sind wir gleich über drei interessante Aspekte gestolpert. Einerseits die Farbe Magenta, andererseits aber auch die ‚Telekom-Melodie’ als akustisches Symbol und die Nutzung von „T-Irgendwas“ um den Bezug zum gemeinsamen Unternehmen herzustellen. Interessanterweise finden wir weder die Melodie noch die Farbe ansprechend, aber der Wiedererkennungsfaktor ist enorm.“

Ich stimmte Anna zu. „Ja, viele Unternehmen betreiben eine ganz bewusste Markenpflege, um im Bewusstsein und Unterbewusstsein ihrer Kunden verankert zu sein. Wie habt ihr denn jetzt die Kurve zu den Teams gekriegt?“

„Nun, die Marke strahlt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Hier wirken diese Symbole als gemeinsames Identifikationsmerkmal. Der Personenverkehr und der Güterverkehr der Bahn haben operativ nicht viel miteinander zu tun, aber über das gemeinsame Symbol wird deutlich, dass sie Teil einer großen Familie sind. Und so etwas wollten wir – eine Nummer kleiner – auch für unsere Teams schaffen. Jeder Mitarbeiter ist einerseits ein Individuum und andererseits Teil eines Teams. Jedes Team ist einerseits eigenständig und andererseits Teil unserer gemeinsamen Vision.“

„Ah, jetzt verstehe ich, was du meinst. Wie sieht denn jetzt euer Symbol aus?“

Anna lachte. „Eine blaue Hängematte. Jedes Team nutzt auf irgend eine Art eine blaue Hängematte im Symbol. Bevor du fragst: Die Hängematte symbolisiert für uns einerseits, dass es unserem Kunden gut geht und er entspannt ist. Kein Stress bei der Nutzung unserer Apps, es funktioniert einfach und mit einem leichten Schaukeln. Andererseits verbindet die Hängematte zwei Punkte, wie z.B. unser Front-End und Back-End Team. Blau vor dem Hintergrund, dass wir damit wieder Entspannung verbinden – sowohl für den Kunden aus auch für uns. Wir wollen ein super Produkt abliefern und setzen dafür Himmel und Hölle in Bewegung, aber bitte keine Todesmärsche. Blau ist auch der Himmel und das Meer.“

„Cool, ihr habt euch ja eine Menge Gedanken gemacht. Aber warum eigentlich?“

Jetzt schaute mich Anna entgeistert an. „Das habe ich doch schon erzählt! Soll ich es dir noch einmal aufschreiben? Also, ein gemeinsames Symbol führt zu einer höheren Identifikation mit dem Team, mit der Sache und damit zu einer höheren Motivation. Die Theorie sagt, dass Teammitglieder in einem Team mit Namen oder Symbol auch eher Verantwortung für das Teamergebnis übernehmen. Und schließlich sorgen wir mit unserem Symbol auch gleich für den richtigen „Ersten Eindruck“. Wir haben nur versucht, diese Prinzipien auf mehrere Teams zu übertragen.“

Ich lachte „Schon gut, schon gut, du musst dich nicht aufregen. Ich wollte nur sichergehen, dass ich tatsächlich die Kernpunkte mitgenommen habe. Das ist ja durchaus ein Thema, was nicht nur euch betrifft, sondern grundsätzlich jede Organisationsform, die mehrere Teams umfasst. Egal ob es eine Projektorganisation, Produktentwicklung oder Linienorganisation ist.“

Wir beendeten unser Mittagessen während wir uns über ständig steigende Immobilienpreise in Frankfurt und Umgebung unterhielten. Annas Schwester wollte ebenfalls nach Frankfurt ziehen und klagte über Schrottimmobilen einerseits und Mondpreise andererseits.

„Anna, es war wie immer ein Vergnügen, mich mit dir auszutauschen. Wollen wir uns in ein paar Wochen erneut sehen? Und wenn ja – hast du schon ein Thema, das dich beschäftigt?“

Anna überlegte einen Moment. „Treffen gerne. Und wegen eines Themas… nun, wir haben jetzt zwar eine Vision. Diese liegt aber in weiter Ferne. Wie können wir unterwegs die Spannung hochhalten und auch Erfolge feiern? Das ist etwas, was mich gerade umtreibt. Vielleicht habe ich aber auch ein anderes Thema. Wir werden sehen.“

Fußnote:

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