Project Leadership

Wenn du tust, was du liebst, musst du nie mehr arbeiten

Wenn du tust, was du liebst, musst du nie mehr arbeiten. Das klingt toll, oder? Nie mehr arbeiten… herrlich! Arbeit hat irgendwie einen negativen Beigeschmack. Arbeit ist etwas, was wir tun müssen – und nicht wollen. Woran liegt das eigentlich?

Viele Unternehmen sehen Mitarbeiter als Teil einer Maschine. Das ist noch das tayloristische Weltbild vom Beginn des letzten Jahrhunderts. Das Teilchen der Maschine wird definiert und nennt sich Rollenbeschreibung. Mitarbeiter werden erst zu dem Zeitpunkt gesucht, wenn ein Teil der Maschine defekt ist oder fehlt. Diese Mitarbeiter werden basierend auf den für die Rolle notwendigen Fähigkeiten ausgewählt. Und schließlich: was nicht passt, wird passend gemacht – Mitarbeiter bekommen Schulungen, um Defizite in den Fähigkeiten auszugleichen.

Klingt dies wie ein bekanntes Szenario? Was passiert denn in einem derartigen Fall mit den Mitarbeitern? Nun, das ist recht einfach: Mitarbeiter fühlen sich als Teil einer Maschine. Mitarbeiter führen Tätigkeiten aus, die sie weder interessieren noch sonderlich gut können, die aber Bestandteil ihrer Rollenbeschreibung sind. Mitarbeiter sind unglücklich im Job, sie streben nach work-life-balance, weil Arbeit nicht Teil des Lebens ist.

Wenn du tust, was du liebst, musst du nie mehr arbeiten.

Die Antwort steht schon in diesem Satz. Sie sollten genau das tun, was sie lieben. Sie sollten etwas tun, was Ihren Neigungen und Stärken entspricht (siehe mein Artikel zu Ikigai). Wie finden Sie allerdings heraus, was Ihre Stärken sind?

In einem ersten Schritt würde ich einfach einen Moment nachdenken. Versuchen Sie, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Was kann ich gut? Beispielsweise eine überzeugende Vision für ein Projekt entwickeln. Oder mein Team motivieren. Oder ein Fachkonzept entwickeln.
  • Was fällt mir leicht? Beispielsweise den Vortänzer vor einer großen Gruppe machen. Oder neue Kollegen kennenlernen. Oder einen Projektplan entwerfen.
  • Was mache ich auch beim 10. Mal noch gerne? Beispielsweise den Projektplan überarbeiten. Oder ein neues Projektteam zusammenstellen.

Ich bin mir sicher, dass Sie intuitiv erahnen, was Ihre Stärken sind. Vielleicht fällt es Ihnen schwer, dies in Worte zu fassen, aber in Ihrem Inneren wissen Sie es.

In einem zweiten Schritt könnten Sie Andere um Ihre Sichtweise und Einschätzung bitten. Fragen Sie Ihren Mentor. Fragen Sie Ihren Coach. Fragen Sie Ihren Chef. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter. Auch hier: diese Personen wissen vermutlich intuitiv, was Ihre Stärken sind. Je nach Erfahrung sind sie besser oder schlechter in der Lage, dies auch in Worte zu fassen.

In einem dritten Schritt könnten Sie den Gallup Strengths Finder nutzen. Dies ist ein Online-Fragebogen (hier gibt es den Fragebogen, hier Buch und Fragebogen), der Ihre Stärken identifiziert und priorisiert. Das Hilfsmittel wurde mir von einer Freundin empfohlen und ich war zugegebenermaßen etwas skeptisch. Für mich klang es eher wie Hokuspokus und weniger wie sinnvoll investiertes Geld. Das Ergebnis hat mich allerdings überzeugt. Nicht, weil ich bahnbrechende, neue Erkenntnisse gewonnen hätte. Sondern weil es mir geholfen hat, meine Stärken in Worte zu fassen und auf den Punkt zu bringen. Darin liegt aus meiner Sicht der größte Nutzen: Der Strengths Finder hilft Ihnen, Ihre Stärken in Worte zu fassen und zu priorisieren.

Was er nicht tut: er verändert weder Sie noch Ihre Arbeit. Das müssen Sie selber tun. Was machen Sie mit den Ergebnissen? Was machen Sie, nachdem Sie herausgefunden haben, was Ihre Stärken sind? Schmeißen Sie alles hin, kündigen Ihren Job und beginnen mit der Selbstverwirklichung? Wohl eher nicht. Die meisten von uns haben Verpflichtungen – sei es die Familie, sei es die Wohnung, sei es das finanzierte Auto – und müssen auf die eine oder andere Weise Geld verdienen. Dennoch können Sie Veränderungen einleiten.

  • Ändern Sie Ihre aktuelle Rolle. Schreiben Sie einmal auf, welche Tätigkeiten Sie in Ihrer aktuellen Rolle durchführen. Markieren Sie die Tätigkeiten, die Ihnen Spaß machen und die Sie besonders gut können mit einem Plus. Ein Minus gibt es für die Tätigkeiten, die Ihnen die Kraft rauben. Suchen Sie nach Möglichkeiten, wie Sie mehr von den „guten“ Aufgaben und weniger von den „schlechten“ Aufgaben übernehmen können.
  • Wechseln Sie in eine andere Rolle im gleichen Unternehmen. Vom Betrieb in die Entwicklung. Vom Entwickler zum Scrum Master. Vom Call Center in das Produktmanagement. Aber bitte tappen Sie nicht in die Falle, dass das Gras auf der anderen Seite des Zauns grüner ist. Sie sollten ein sehr klares Bild von Ihren Stärken haben und die möglicherweise damit verbundenen Tätigkeiten. Sie sollten außerdem kritisch hinterfragen, ob die andere Rolle tatsächlich Ihren Stärken entspricht. Sprechen Sie mit Kollegen, die dort aktuell arbeiten. Vereinbaren Sie eine Hospitation. Stellen Sie sicher, dass Sie wissen, was auf Sie zukommt.
  • Wechseln Sie in eine andere Rolle in einem anderen Unternehmen. Hier gilt das oben Gesagte analog mit dem Unterschied, dass es üblicherweise sehr viel schwieriger ist, ein objektives Bild über die zukünftigen Aufgaben zu bekommen. Eine kleine Anekdote: ich habe gute Erfahrungen mit extrem konkreten und extrem schwammigen Rollenbeschreibungen gemacht. Bei Ersteren wusste ich sehr genau, auf was ich mich einlasse. Bei Letzteren gab es ausreichend Möglichkeiten, die Rolle auf mich zuzuschneiden.
  • Gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen. Sinnvollerweise sollte ich hinzufügen: „… und finden Sie Mitarbeiter, welche komplementäre Stärken mitbringen“. Ja, als Unternehmer sind Sie grundsätzlich erstmal frei in Ihren Entscheidungen, welche Tätigkeiten Sie durchführen. Aber manche Dinge müssen einfach gemacht werden – Stichwort Buchführung. Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht alles alleine tun, ansonsten haben Sie mit Zitronen gehandelt.

Wenn du tust, was du liebst, musst du nie mehr arbeiten. Auf dem Weg dahin gibt es zwei entscheidende Schritte: Sie müssen überhaupt erst einmal wissen, was Ihre Stärke sind. Denken Sie nach, sprechen Sie mit Kollegen und nutzen Sie den Strengths Finder. Zweitens müssen Sie schrittweise Ihre Tätigkeiten entsprechend Ihrer Stärken verändern. Das Spektrum ist enorm, von einer Veränderung Ihrer aktuellen Rolle bis zur Selbstständigkeit.

Können auch Unternehmen etwas tun? Oder können Sie auch in Ihrer Rolle als Projektleiter etwas tun, damit sich Mitarbeiter nicht als Teil einer Maschine fühlen? Natürlich. Das Konzept „hire for attitude, train for skills“ geht in eine ähnliche Richtung. Hier kann ich Ihnen Abschnitt „Team“ meines Onlinekurses Project Leadership empfehlen.

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