Project Leadership

Du willst dein Team motivieren? Zelebriere Gemeinsamkeiten!

Beim Thema Motivation von Teams kann man sich viel vom Sport abschauen. Sowohl in guten wie auch in schlechten Zeiten. Daher möchte ich eine Erfahrung teilen, die mich lange beschäftigt hat. Ich spiele Volleyball. Vor einigen Jahren haben wir das Unmögliche möglich gemacht und sind mit eher durchschnittlichen Spielern in die Verbandsliga aufgestiegen. Wahnsinn! Der ganze Verein war aus dem Häuschen! So konnte es weitergehen – und damit die nächste Saison genauso erfolgreich verlief, verstärkten wir uns mit einigen exzellenten Spielern. Wir stiegen ab. Wie konnte das passieren?

In der Saison des Aufstiegs…

  • …hatten wir alle das gleiche Ziel: wir wollten aufsteigen! Die erfahrenen Spieler wollten es noch einmal wissen, die jungen Spieler wollten mehr und mehr. Niemand spielte, um nicht zu verlieren, jeder wollte gewinnen.
  • …teilten wir das Motto “work hard, party hard”. Nach Training oder Spiel wurde gemeinsam der Kohlenhydratspeicher aufgefüllt – gerne auch in flüssiger Form.
  • …zelebrierten wir unsere uralten, orangenen Trikots. Es kam ja auf den Inhalt an!
  • …retteten wir die unmöglichsten Bälle und machten “irgendwie” den Punkt.

Einer für alle, alle für einen.

In der folgenden Saison waren wir zwar nominell stärker, aber die Gemeinsamkeiten, die uns zusammengeschweißt hatten, waren nicht mehr so stark ausgeprägt.

Auch im Arbeitsumfeld können wir diese Erkenntnis nutzen. Wir können die Motivation nicht verordnen. Wir können allerdings sehr wohl Gemeinsamkeiten finden und zelebrieren – je höher das Zusammengehörigkeitsgefühl der Teammitglieder, umso höher die Motivation für das eigene Team. Gemeinsamkeiten lassen sich beispielsweise wie folgt gruppieren:

  • Vision & Ziel
  • Verhaltensweisen
  • Name & Symbol

Gemeinsame Vision & Ziel

Irgendwie logisch – wenn das gesamte Team das gleiche Ziel verfolgt, hängen sich alle mehr rein. Und zwar nicht, weil sie sollen, sondern weil sie wollen. Das ist jetzt auch der kleine, aber feine Unterschied – wir reden hier von intrinsischer Motivation. Das funktioniert am besten, wenn das ganze Team das Ziel selbst erarbeitet und es nicht verordnet wird. Das „buy-in“, wie es so schön heißt, ist im Team deutlich größer, wenn das Team das Ziel selbst entwickelt hat.

Ich muss gestehen, dass hier zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Einerseits verstehe und befürworte ich den Ansatz, dass das Team das Ziel entwickelt. Andererseits bin ich ein starker Verfechter, dass der Product Owner oder Projektleiter die Vision des Produktes zu seiner eigenen macht (siehe beispielsweise hier oder hier). Wie lässt sich dieser potenzielle Konflikt auflösen? Aus meiner Sicht gibt es zwei Ansätze. Erstens kannst du als PO oder PL deine Vision kontinuierlich kommunizieren und die Gründe und Vorteile erläutern mit dem Ziel, dein Team zu überzeugen. Zweitens könntet ihr zwei (oder mehr) Ziele haben, beispielsweise ein inhaltliches Ziel (was wollen wir erreichen), welches du als PO/PL vertrittst, und ein Ziel zur Zusammenarbeit (wie wollen wir das erreichen), welches gemeinsam entwickelt wird.

Gemeinsame Verhaltensweisen

Gemeinsame Verhaltensweisen entwickeln sich in der Regel ganz automatisch, wenn ein Team längere Zeit zusammenarbeitet. Wenn du in ein anderes Team wechselst, hast du sicherlich schon einmal bemerkt, dass jedes Team ein bisschen anders arbeitet – selbst innerhalb der gleichen Firma. Was hat das jetzt mit Motivation zu tun? Nun, ihr könnt euch diese Verhaltensweisen bewusst machen und bewusst einsetzen, um die Gemeinsamkeiten im Team zu betonen und auch eine (freundschaftliche) Abgrenzung zu anderen Teams herzustellen. Ein paar Beispiele?

  • Wir sind das Team, das erst um 10:30 Uhr mit der Arbeit beginnt
  • Wir sind das Team, das extremes Timeboxing betreibt
  • Wir sind das Team, das einmal monatlich Kartfahren geht
  • Wir sind das Team, das immer eine einhundertprozentige Testabdeckung hat

Es geht insofern darum, die Verhaltensweisen, die „eh schon“ existieren, zu zelebrieren.

Ihr könntet auch noch einen Schritt weitergehen, und nicht nur die Verhaltensweisen zelebrieren, die schon etabliert sind, sondern gemeinsam gewünschte Verhaltensweisen definieren und umsetzen. Ein Vorgehen, welches aus meiner Erfahrung recht gut funktioniert, ist ein strukturiertes Brainstorming. Ihr definiert Bereiche, die euch in der Zusammenarbeit wichtig sind, z.B. Kommunikation, Qualität, Prozesse, usw. Jeder im Team denkt an sein bestes und sein schlimmstes Projekt. Anschließend schreibt jeder auf, welche Verhaltensweisen im besten und schlimmsten Projekt für diese Bereiche üblich waren. Ein paar Beispiele:

  • Fragen innerhalb des Teams wurden am gleichen Tag beantwortet vs. ich musste mehrere Tage auf eine Antwort warten
  • Wir haben Themen im direkten Gespräch geklärt vs. es wurden meterlange Email-Ping-Pongs geschickt

Nachdem ihr diese möglichen Verhaltensweisen gesammelt und diskutiert habt, könnt ihr euch bewusst für gemeinsame Verhaltensweisen entscheiden.

Gemeinsame Namen und Symbole

Wenig verwunderlich: auch ein Teamname und ein Symbol können die Gemeinsamkeiten betonen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe ist vielen Menschen wichtig und die Identifikation mit einer Gruppe kann extrem hoch sein.

Insofern: sucht euch im Team einen Namen aus. Der Name kann etwas mit der Vision oder dem Ziel zu tun haben, er kann bestimmte Verhaltensweisen aufgreifen, oder auch ein Phantasiegebilde sein. Wichtig ist nur, dass er vom gesamten Team mitgetragen wird.

Ähnlich verhält es sich mit Symbolen. Auch Symbole als ‚Markenzeichen‘ können die Identität eines Teams stärken. Warum kleben sich manche Leute einen Apple-Aufkleber auf die Heckscheibe? Weil sie ihre Zugehörigkeit zu der Gruppe der Apple-Nutzer demonstrieren wollen. Dies ist übrigens ein schönes Beispiel für den sogenannten T-Shirt-Test: wenn die Teammitglieder T-Shirts mit dem Namen und/oder Symbol des Teams mit Stolz in der Öffentlichkeit tragen, dann ist das Zusammengehörigkeitsgefühl hoch.

Fazit

Einer für alle, alle für einen. Eigentlich ist es gar nicht so schwer, aus einer Ansammlung von Menschen ein eingeschworenes Team zu machen. Du musst nur die Gemeinsamkeiten erarbeiten, finden und schließlich zelebrieren. Wann du all das neben deinem „eigentlichen“ Job tun sollst? Dies ist dein eigentlicher Job! Schau dir doch mal meinen Beitrag zu Project Leadership an!

Zu guter Letzt…

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