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Zwischen Kontrolle und Vertrauen: Warum alte Führungsrezepte in unsicheren Zeiten nicht mehr ausreichen

leadership news Sep 14, 2026

Im aktuellen VAA-Magazin geht es um den Ansatz des „Positive Leadership“. Der Artikel beschreibt, warum klassische Führungsinstrumente wie mehr Kontrolle, engere Vorgaben und stärkere Steuerung zwar kurzfristig Stabilität schaffen können, langfristig jedoch oft Motivation, Eigenverantwortung und Innovationskraft bremsen. Stattdessen setzt Positive Leadership auf Vertrauen, Sinnhaftigkeit, Motivation und die gezielte Aktivierung von Potenzialen. Grundlage ist das PERMA-Modell der Positiven Psychologie, das die Bedeutung von positiven Emotionen, Engagement, Beziehungen, Sinn und Wirksamkeit für leistungsfähige Teams hervorhebt.

Zum Originalartikel: https://www.vaa.de/aktuelles/presse/vaa-magazin/ausgabe-august-2026/management

Warum ist das relevant für dich?

Wenn du eine IT-Führungskraft, kennst du die Situation wahrscheinlich sehr gut. Der Druck steigt. Projekte werden komplexer. Anforderungen ändern sich schneller als geplant. Gleichzeitig erwarten Stakeholder Verlässlichkeit, Qualität und Ergebnisse.

Die natürliche Reaktion vieler Unternehmen (und vielleicht auch von dir) lautet dann: mehr Kontrolle, mehr Reporting, mehr Abstimmung, mehr Regeln. Genau diese Entwicklung beschreibt auch der Artikel. Das Problem dabei ist, dass sich Unsicherheit nicht einfach wegsteuern lässt. Im Gegenteil: Je komplexer die Situation wird, desto weniger funktionieren Rezepte aus der Vergangenheit.

Gerade Führungskräfte, die aus einer Expertenrolle kommen, geraten dadurch leicht in die Falle, alles selbst absichern zu wollen. Sie kontrollieren stärker, delegieren weniger und arbeiten immer länger. Kurzfristig entsteht das Gefühl von Sicherheit. Langfristig steigt jedoch die eigene Belastung und das Team übernimmt weniger Verantwortung.

Meine Sichtweise

Mich hat beim Lesen vor allem ein Gedanke beschäftigt: Alte Rezepte funktionieren in neuen Situationen oft nur noch begrenzt.

Wenn ein Unternehmen in unsicherem Fahrwasser unterwegs ist, wirkt es zunächst logisch, die Kontrolle zu erhöhen. Schließlich möchte niemand unnötige Risiken eingehen. Doch genau hier entsteht ein Spannungsfeld. Die Herausforderungen, vor denen viele Unternehmen heute stehen, sind neu. Technologische Umbrüche, künstliche Intelligenz, sich verändernde Märkte und steigende Komplexität lassen sich nicht einfach mit Methoden lösen, die für eine andere Zeit entwickelt wurden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Führung jetzt zum Blindflug werden sollte.

Mutige Führung heißt für mich nicht, das gesamte Unternehmen auf eine einzige Karte zu setzen und alles Bewährte über Bord zu werfen. Mutige Führung bedeutet, ein neues Zielbild zu formulieren und erste kleine Schritte in diese Richtung zu gehen. Es bedeutet, Hypothesen zu testen, Erfahrungen zu sammeln und unterwegs zu lernen.

Wer auf Sicht fährt, muss seinen Kurs regelmäßig anpassen. Das ist etwas anderes als eine hektische 180-Grad-Wendung bei jeder neuen Erkenntnis. Gute Führung schafft Orientierung und bleibt gleichzeitig beweglich genug, um auf Veränderungen zu reagieren.

Genau deshalb halte ich Vertrauen für einen wichtigen Erfolgsfaktor. Nicht als romantische Alternative zu Steuerung, sondern als notwendige Ergänzung. Menschen übernehmen Verantwortung eher dann, wenn sie Gestaltungsspielraum haben. Teams lernen schneller, wenn sie Entscheidungen treffen dürfen. Und Führungskräfte gewinnen Zeit für strategische Themen, wenn sie nicht jede Einzelentscheidung selbst absichern müssen.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Kontrolle oder Vertrauen?

Die spannendere Frage lautet: Wo hältst du heute noch an einem Führungsrezept fest, das früher funktioniert hat, aber den aktuellen Herausforderungen nicht mehr gerecht wird?

Food for Thought

Vielleicht besteht die wichtigste Führungsaufgabe der nächsten Jahre nicht darin, bessere Antworten zu haben.

Vielleicht besteht sie darin, den Mut zu entwickeln, neue Fragen zu stellen.

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