Wie füllen Sie Ihre Rolle als Projektleiter oder Product Owner?

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Ich kann mich noch gut an mein erstes Projekt als Projektleiter erinnern: Relaunch bucher-reisen.de. Eine coole Geschichte mit einem tollen Ergebnis. Ich erinnere mich an dieses Projekt allerdings weniger wegen des tollen Ergebnisses, sondern vielmehr wegen meiner damaligen Auffassung der Rolle des Projektleiters. Tatsächlich war ich eher ein Projektkoordinator als ein Projektleiter. Ich traf keine Entscheidungen, sondern bereitete Optionen auf und lies sie entscheiden. „Am Ende war es mir persönlich ja egal, wie die Entscheidung ausfiel“.

Anschließend habe ich nie mehr so gearbeitet. Es war fürchterlich – die totale Abhängigkeit von Anderen. Seitdem mache ich die Projektziele zu meinen eigenen Zielen und entscheide. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Ich erlebe aber auch andere Vorgehensweisen. Ich erlebe Projektleiter (insbesondere von IT Dienstleistern), die schwachsinnige Anforderungen umsetzen. „Ja, ich weiß, dass diese Anforderung schwachsinnig ist, aber der Auftraggeber will es unbedingt so haben“. Ich erlebe Projektleiter, die keine Kontrolle über ihre Projektmitarbeiter haben. „Ja, ich würde ja gerne planen und steuern, aber jeder Plan ist schon morgen falsch, weil meine Annahmen zur Ressourcenverfügbarkeit morgen von der Programmleitung über den Haufen geschmissen werden“. Ich erlebe Product Owner, deren Entscheidungen, ein Feature nicht umzusetzen, vom Auftraggeber overruled werden.

Welchen Typ von Projektleiter brauchen wir? Einen Leiter, der selber denkt und selber entscheidet? Oder einen Koordinator, der gewissenhaft ausführt?

Mich interessiert brennend Ihre Sicht auf dieses Thema!


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50% aller Projekte scheitern – aber wie messen wir eigentlich den Projekterfolg?

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Stellen Sie sich bitte einmal folgende Situation vor. Sie haben die Frau (oder den Mann) Ihrer Träume gefunden und wollen heute das erste Mal ausgehen. Sie überlegen, zuerst in ein Restaurant zu gehen und anschließend ein paar Cocktails zu trinken. Sie rechnen damit, ca. 80€ auszugeben und gegen Mitternacht zu Hause zu sein.

Szenario 1: Das Essen ist wunderbar aber die Unterhaltung stockt immer wieder. Sie gehen mit Ihrer Traumfrau in die angesagteste Cocktailbar der Stadt aber auch hier herrscht immer wieder verlegenes Schweigen. Gegen 23:45 verabschieden Sie sich höflich. Auf der Rückfahrt kalkulieren Sie, dass Sie tatsächlich knapp 80€ ausgegeben haben.

Szenario 2: Das Essen ist wunderbar und Sie finden sofort gemeinsame Themen. Sie reden und reden und lachen und lachen. Eine Geschichte jagt die nächste. Nach vielen Stunden sind Sie die letzten Gäste im Restaurant und werden hinauskomplimentiert. Sie setzen die Unterhaltung in der Cocktailbar fort, der Alkohol befeuert die überschwängliche Stimmung. Gegen drei Uhr morgens verabschieden Sie sich, Ihre Traumfrau gibt Ihnen einen Kuss und bittet Sie, morgen anzurufen. Auf der Rückfahrt stellen Sie fest, dass Sie weit über 200€ ausgegeben haben.

In welchem Szenario sind Sie erfolgreich? Aus meiner Sicht Szenario 2: Sie sind Ihrer Traumfrau ein Stück näher gekommen. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, dass der Abend anders gelaufen ist als geplant.

Vor ein paar Jahren führte ich ein Projekt, um eine neue Zahlart einzuführen. Hinsichtlich der Projektdurchführung waren wir erfolgreich. Aber die Akzeptanz der Zahlart blieb weit hinter den Erwartungen zurück und die prognostizierten Umsatzsteigerungen traten nicht ein.

In einem anderen Projekt benötigten wir ein Jahr länger als geplant und die Kosten lagen mehrere Millionen über dem Budget. Trotzdem war das Projekt aus Sicht des Unternehmens ein Erfolg, weil die realisierten Kosteneinsparungen die Projektkosten locker kompensierten.

Wie messen wir den Erfolg unserer Projekte? Ist unser Projekt erfolgreich, wenn wir „in Time, in Scope und in Budget“ abliefern? Oder sind wir erfolgreich, wenn wir den erwarteten Nutzen tatsächlich erzielen?

Aus meiner Sicht gibt es hier kein entweder … oder, sondern ein sowohl … als auch. Wir müssen einerseits die Lieferergebnisse erwartungsgemäß herstellen und andererseits auch den Nutzen erzielen. Die folgende Grafik veranschaulicht dies.

 

Welche Aufgaben stecken denn im rechten Teil der Grafik? Eine ganze Menge.

Vor dem Projektstart

  • Definition des Projektziels. Beispielsweise Reduzierung der Kosten im Call Center um 30% innerhalb von 12 Monaten.
  • Identifikation möglicher Werttreiber. Dies können in diesem Beispiel z.B. Reduzierung der Anruflänge, Reduzierung der Anzahl der Anrufe, Outsourcing, Automatisierung durch Chatbots o.ä. sein.
  • Auswahl initialer Werttreiber und Identifikation von Maßnahmen. Beispielsweise Reduzierung der Anruflänge durch Steigerung der Systemperformance. Dies ist gleichzeitig der initiale Scope des Projektes.
  • Erstellung eines initialen Business Cases.

Während des Projektes

  • Identifikation und Management der Wertrisiken (value risks). Dies sind die Risiken, deren Eintreten dafür sorgen kann, dass der erwartete Nutzen nicht eintritt. Dieser Punkt wird häufig vernachlässigt, daher möchte ich etwas detaillierter darauf eingehen.
    • Wenn ein Risiko besteht, dass Kunden das Projektergebnis nicht akzeptieren, dann helfen Methoden wie Design Thinking oder Lean Startup sowie eine interaktive Vorgehensweise. Ziel ist, mit möglichst geringem Aufwand herauszufinden, ob potenzielle Kunden das Projektergebnis nutzen würden und wie hoch ihre Zahlungsbereitschaft ist.
    • Wenn ein Risiko besteht, dass das Projektergebnis von internen Anwendern nicht genutzt wird, dann könnten Kommunikationsmaßnahmen, Workshops, Key-User-Konzepte o.ä. helfen.
    • Wenn ein Risiko besteht, dass Partner das Projektergebnis nicht nutzen, dann könnten Sie die Vertragsgestaltung überprüfen und den Nutzen für den Partner herausstellen.
    • Entscheidend ist, dass Sie die Wertrisiken möglichst früh adressieren. Die beste Projektdurchführung hilft Ihnen nichts, wenn das Projekt nicht den erwarteten Nutzen bringt.
  • Bestätigung oder Anpassung von Werttreibern und/oder Maßnahmen, d.h. Veränderung des Scopes. Dieser Punkt ist ja eigentlich ein „no-go“ in klassischen Projekten. Sofern Sie allerdings die Wertrisiken adressieren, ergibt sich mit großer Wahrscheinlichkeit eine Veränderung.

Was heißt dies eigentlich für Ihre Rolle als Projektleiter? Ich kenne viele Projektleiter, die ausschließlich den linken Teil der Grafik als ihre Aufgabe ansehen. Dies ist das klassische Szenario. Der initiale Scope und Business Case wird von Auftraggeber definiert, Scopeänderungen werden vom Lenkungsausschuss beschlossen. Dieses Szenario geht davon aus, dass die Annahmen hinter den Werttreibern und Maßnahmen richtig sind und nicht verändert werden müssen.

Dies ist aus meiner Sicht immer seltener der Fall. Das Unternehmensumfeld wird immer schnelllebiger, das Kundenverhalten immer weniger vorhersagbar. Einmal getroffene Annahmen hinsichtlich Werttreibern und Maßnahmen sollten kontinuierlich überprüft werden. Daher sollte es einen weiteren (fachlichen) Projektleiter geben, der die Aufgaben im „rechten“ Teil der Grafik wahrnimmt. Er ist dafür verantwortlich, dass der erwartete Nutzen (Wert) tatsächlich erzielt wird. Diese Aufgabe ähnelt insofern stark der Rolle des Product Owners in Scrum.

Insofern sollten wir den Projekterfolg sowohl an der Qualität der Projektdurchführung messen als auch an der Erzielung des erwarteten Nutzens.


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Brainstorming 2.0 – Wie Sie zu mehr und besseren Ergebnissen kommen

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Sicherlich kennen Sie diese Situation: Sie entdecken ein Problem und wollen ihr Team in die Problemlösung einbinden. Sie laden zu einer Brainstorming Session ein, schildern kurz die Problematik und bitten um Ideen. Die ersten Kollegen platzen mit Ideen in den Raum, diese werden aufgegriffen und verfeinert. Wenn Sie gut sind, dokumentieren Sie die Ideen und gruppieren diese. Am Ende stellen Sie die Frage: „okay, und welche Lösungsidee setzen wir um?“. Und auch hier finden sich ein paar Kollegen, die Ihre Meinung äußern.

So weit, so gut und bekannt. Diese Art der Ideensammlung entstand in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und die damit verbundenen Vorgehensweisen und Regeln (viele Ideen, wilde Ideen, keine initiale Kritik an den Ideen, auf den Ideen anderer aufbauen) sind den meisten Berufstätigen in Fleisch und Blut übergegangen und werden nicht hinterfragt.

Das ist schlecht. Denn es gibt bessere Vorgehensweisen.

Die offene Diskussion in der Gruppe hat zwei gravierende Nachteile:

  • Die Ideen tendieren dazu, zu konvergieren. Sobald eine Idee geäußert wurde, beeinflusst diese Idee das Denken der Teilnehmer.
  • Ideen von stillen, introvertierten Personen werden leicht übersehen. Meinungsstarke Teilnehmer dominieren die Gruppe und die entstehenden Ideen.

Vor diesem Hintergrund wurden weitere Methoden entwickelt, wie z.B. die 6-3-5 Methode. Diese hat aber aus meiner Sicht den Nachteil, dass sie deutlich aufwändiger in der Vorbereitung und Durchführung ist. Ich habe gute Erfahrung mit Brainwriting und Punkt-Priorisierung gemacht.

Beim Brainwriting erfolgt die Einleitung durch den Moderator analog zum Brainstorming. Anschließend schreibt jedoch jeder Teilnehmer so viele Ideen wie möglich individuell auf. Post-Its eignen sich hervorragend. Je nach Problemstellung kann auch eine Visualisierung hilfreich sein, z.B. bei Prozessveränderungen oder Anwendungsworkflows. Die Zeit für die individuelle Arbeit sollte zwischen 3 und 10 Minuten liegen (eher kürzer als länger). Anschließend werden die Ergebnisse einzeln vorgestellt, ein gemeinsames Verständnis hergestellt und gruppiert.

Die Punkt-Priorisierung dient anschließend dazu, die umzusetzende Idee auszuwählen. Definieren Sie Kriterien für die Auswahl, z.B. Umsatzrelevanz, Umsetzungsgeschwindigkeit etc. Geben Sie Ihrem Team 2-5 Minuten Zeit, über die Ideen nachzudenken und den eigenen Favoriten auszuwählen. Wichtig: in dieser Phase sollte nicht diskutiert werden. Bitten Sie jedes Teammitglied, einen Punkt auf die gewählte Idee zu malen oder kleben. Bei sehr vielen Ideen können Sie auch zwei oder drei Punkte vergeben. Anschließend haben Sie eine dokumentierte Einschätzung, welche Idee umgesetzt werden sollte.

Aus meiner Sicht sind beide Methoden leicht zu erklären, schnell umzusetzen und liefern gute Ergebnisse. Probieren Sie es doch einmal aus!

Übrigens: Brainwriting (und Brainstorming) kann nicht nur zur Lösungsfindung eingesetzt werden, sondern auch zur Problemfindung! Das Bild des „double diamonds“ hilft mir regelmäßig, schon früh das Team einzubinden. Wichtiger als die richtige Lösung ist es, das richtige Problem zu lösen.

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Es ist hart, den besten Mitarbeiter zu verlieren

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Richtig hart ist es, wenn er nicht nur das Projekt wechselt, sondern das Unternehmen verlässt. Und genau hier verstehe ich viele Projektleiter und Führungskräfte nicht.

Jeder kennt einen High Performer. Der Kollege, der qualitativ außerordentliche Ergebnisse liefert. Der Kollege, auf den Verlass ist. Der Kollege, der Sonderaufträge gerne annimmt und brillant umsetzt. Der Kollege, der das Projekt quasi im Alleingang rettet. Der Kollege, der aus Stroh Gold macht.

Doch viele vernachlässigen die Karriereentwicklung ihres High Performers (siehe hierzu auch meinen Artikel Woran du erkennst, dass du in einer toxischen Umgebung arbeitest). Dies kann aus den unterschiedlichsten Gründen passieren. Manche wollen ihn nicht aus ihrem Einflussgebiet entlassen. Manche vergessen es schlicht. Manche finden „gerade jetzt“ nicht die Zeit dazu. Was auch immer die Gründe, am Ende ist der High Performer frustriert und verlässt das Unternehmen.

Dabei ist die Karriereentwicklung eigentlich relativ leicht. Ich habe mit folgenden Bausteinen gute Erfahrungen gemacht:

  • Stellen Sie sicher, dass Hygienefaktoren wie z.B. Gehalt oder Bonus stimmen. Gerade junge Mitarbeiter verdienen im Vergleich zu älteren Kollegen bei gleicher Leistung häufig weniger. Sie sollten hier ein Auge drauf haben und die gute Leistung auch über Gehaltssteigerungen und Bonuszahlungen würdigen. Bitte nicht falsch verstehen: Geld kann eine Karriereentwicklung nicht ersetzen. Aber wenn die Rahmenbedingungen nicht passen, müssen Sie über den Rest nicht lange nachdenken.
  • Coachen Sie Ihren Mitarbeiter dahin, dass er Klarheit über seine Ziele hat. Wohin möchte er? Was möchte er tun? Wofür brennt er? Wenn er drei Veränderungswünsche hat, was würde er sich wünschen? Vielen Menschen fällt es sehr viel leichter, zu artikulieren, was sie nicht wollen („ich will aus dem Projekt raus“) als kund zu tun, was sie stattdessen tun wollen („mir egal, hauptsache anders“). Aber nur wenn er (und Sie) die Ziele und Beweggründe kennen, können sie darauf hin arbeiten.
  • Vergleichen Sie Ihren Mitarbeiter mit anderen Potenzialträgern im Projekt / Bereich / Unternehmen. Ist er der Beste in Ihrem Projekt, aber im Vergleich zu anderen Projekten / Abteilungen an Nummer 34? Sie brauchen diese Einschätzung, um erfolgreiches Erwartungsmanagement bei Ihrem Mitarbeiter zu betreiben. Was kann er realistischerweise erwarten – und was auch nicht.
  • Setzen Sie ein Zeichen im Unternehmen. Machen Sie deutlich und publik, dass hier ein außergewöhnlicher Mitarbeiter sitzt. Dieses Zeichen können Sie beispielsweise setzen, in dem sie ihn für Nachwuchsführungskräfteschulungen anmelden oder ihn für Beförderungen vorschlagen. Es ist dabei weniger wichtig, ob er tatsächlich an der Schulung teilnimmt oder befördert wird, entscheidend ist, dass andere auf ihn aufmerksam werden.
  • Geben Sie ihm Zusatzaufgaben im Projekt. Häufig lassen sich die Ziele des Mitarbeiters (siehe oben) nicht nur durch einen Wechsel des Projektes oder der Abteilung erreichen, sondern auch durch Zusatzaufgaben.
  • Erweitern Sie seine Aufgaben im Projekt. Während der Projektlaufzeit können sich hierfür günstige Gelegenheiten bieten. So könnte ein Business Analyst im späteren Verlauf die Aufgabe des Testleiters übernehmen. Oder sie bündeln alle Roll-Out-Aktivitäten (Datenmigration, Schulungen, Marketing & Kommunikation) an einer Stelle und übertragen ihm die Koordination vieler Bereiche.
  • Sprechen Sie eine deutliche Empfehlung aus. Ja, dies kann bedeuten, dass er Ihr Projekt verlässt. Ja, dies kann bedeuten, dass er aus Ihrer Einflusssphäre verschwindet. Aber Sie halten ihn in Ihrem Unternehmen. Und eventuell arbeiten Sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit ihm zusammen.

Nichts machen ist keine Lösung. Gute Leute gehen ihren Weg – ob in Ihrem Projekt oder außerhalb Ihres Projektes!

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Keine Entscheidung – kein Fehler!

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Kennen Sie das? Sie haben ein Problem. Sie suchen nach Lösungen. Sie finden zwei oder mehr Lösungen mit jeweils unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Da Sie die Lösungsideen nicht einfach im Projekt umsetzen können, bitten Sie um eine Entscheidung im Lenkungsausschuss. Und es passiert – nichts. Keine Entscheidung. Selbst in Situationen, in denen Sie objektiv eine Entscheidung „links oder rechts“ für die Fortführung des Projektes benötigen – nichts. Die Teilnehmer des Lenkungsausschusses verweigern eine Entscheidung (bzw. geben diese in das Projekt zurück).

Ich habe lange darüber nachgedacht, warum Führungskräfte, deren zentrale Aufgabe das Entscheiden ist, eine Entscheidung verweigern. Denn rational erscheint mir diese Vorgehensweise nicht. Meine zwei Hypothesen:

  • Fehler werden sanktioniert. Wir lesen ja häufig von einer „neuen Fehlerkultur“, wir „müssen Fehler zulassen“, „fail early, fail fast“. Häufig werden jedoch Fehler auch sanktioniert – entweder direkt (Entlassung, kein Bonus) oder indirekt (keine Weiterentwicklung, kein Aufstieg). Arbeiten Führungskräfte in einem derartigen Umfeld, könnte ihre Überlegung bei schwierigen Entscheidungen sein: Keine Entscheidung – Kein Fehler – Kein Problem. Zumindest kein Problem für sie. Das Problem des Projektleiters ist ein Problem anderer Leute.
  • Starke Konsenskultur. In manchen Unternehmen werden Entscheidung nur im Konsens getroffen. Dies kann die unterschiedlichsten Gründe haben, von einer starken Beteiligung der Betroffenen bis zu regelmäßiger Job-Rotation der Führungskräfte. Entscheidungen, bei denen kein Konsens möglich ist (links ODER rechts), führen zwangsläufig zur Benachteiligung einer Partei. Auch hier: Keine Entscheidung – keine Benachteiligung.

Bleibt noch die Frage, was Sie als Projektleiter in einer Situation tun können, in der Sie die möglichen Lösungsvarianten nicht ausschließlich im Projekt umsetzen können. Aus meiner Sicht bleibt Ihnen nur ein Weg: Zeigen Sie Rückgrat und geben Sie die Projektleitung zurück.

Wenn du ein totes Pferd reitest – steig ab!

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Ich habe in meinen Artikeln Top-3-Gründe für eine Projektvision und Wie sieht eine gute Projektvision aus die Vorteile einer Projektvision beschrieben. Wenn Sie aber feststellen, dass die Projektvision nur auf dem Papier existiert. Wenn Sie feststellen, dass die Projektvision nicht die Entscheidungen beeinflusst. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Projektteam sich verzettelt und den Fokus verliert. Dann ist es Zeit, vom Pferd abzusteigen.

Vermutlich haben Sie sich zu Beginn des Projektes Gedanken zu der Projektvision gemacht. Idealerweise haben Sie die Vision gemeinsam mit dem Projektteam verfeinert, um zu einer geteilten Vision zu kommen. Und vielleicht haben Sie die Vision auch genutzt, um Ihre Stakeholder abzuholen und auf das Projekt einzuschwören. Im täglichen Klein-Klein des Projektalltags ist die Projektvision dann unter die Räder gekommen. Ja, sie ist in den Präsentationen für den Lenkungsausschuss enthalten, aber man gewöhnt sich daran und registriert den Inhalt nicht mehr wirklich. Neue Ideen tauchen auf und werden begeistert angenommen. Könnten wir nicht noch… Wäre es nicht toll, wenn… Die ersten Brandherde treten auf, Sie sind im Firefighting-Modus. Wer hat da noch Zeit für Visionen?

Falsch – gerade dann hilft Ihnen eine Projektvision. Die Frage ist nur, wie Sie die Vision in Ihren Projektalltag integrieren. Die gute Nachricht: Hier können Sie richtig kreativ werden! Die schlechte Nachricht: Hier können Sie richtig kreativ werden! Zum Start aber einige Anregungen:

  • Drucken Sie die Vision auf Poster. Hängen Sie die Poster regelmäßig im Raum um.
  • Bitten Sie in jedem Teammeeting einen anderen Kollegen, eine Geschichte zu teilen, wie ihr die Projektvision in der letzten Woche geholfen hat.
  • Nutzen Sie die Projektvision als Teil von formalen Entscheidungskriterien für Varianten (i.S.v. „zahlt auf Projektvision ein oder nicht“)
  • Verknüpfen Sie Teilerfolge (z.B. Erreichung von Meilensteinen) mit der Projektvision
  • Stellen Sie in Lessons Learned / Retrospektiven grundsätzlich die Frage, wie das Handeln im Projekt noch besser auf die Vision abgestimmt werden kann.

Entscheidend ist, dass die Projektvision lebt und ein lebendiger Bestandteil der Projektarbeit ist. Eine auf Hochglanz polierte Vision in der Schublade verfehlt ihre Ziele. Welche Erfahrungen haben Sie mit einer Projektvision gemacht? Wie haben Sie die Vision am Leben erhalten?

Präsentieren Sie noch oder informieren/unterhalten/überzeugen Sie schon?

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Ich habe vor einigen Tagen eine Präsentation versemmelt. In unserem Bereichsmeeting sollte ich ein neues Projekt und den aktuellen Status vorstellen. Wie üblich kam diese Aufforderung relativ kurzfristig. „Kein Problem“, dachte ich, „es war ja gerade Lenkungsausschuss – ich kann die Folien recyceln“. In unserem Bereichsmeeting schauten mich dann 100 Mitarbeiter verständnislos an. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen – meine Kollegen hatten nicht das notwendige Vorwissen, sie konnten den Hintergrund des Projektes nicht verstehen, sie mussten keine Entscheidungen treffen. Meine Präsentation war schlicht am Publikum vorbei.

Ein derartiger Faux-Pas ist sicherlich nicht die Regel, aber ab und zu passiert er. Vielleicht auch Ihnen. Lassen Sie uns kurz rekapitulieren, was es mit der Zielgruppe von Präsentationen auf sich hat.

Starten wir mit der Gretchenfrage: warum präsentieren Sie? Oder präsentieren Sie vielleicht gar nicht, sondern Sie wollen informieren, unterhalten, motivieren, inspirieren, zu Handlungen auffordern oder eine Entscheidung herbeiführen? Und Sie nutzen das (technische) Format einer Präsentation nur zur Unterstützung? Zwei Anregungen:

  • Verbannen Sie den unsäglichen Satz „ich halte eine Präsentation“ aus Ihrem Wortschatz. Nutzen Sie stattdessen einen Satz, der Ihre Absicht deutlich macht.
  • Sofern Sie die Antwort auf die „warum“ Frage nicht kennen – verzichten Sie auf die Präsentation, sparen Sie sich die Arbeit und Ihren Zuhörern das Leid. Das wird eh nix.

Sobald Ihnen Ihr Ziel klar ist, lohnt es sich, über die Zielgruppe (Ihre Zuhörer) nachzudenken. Es ist Ihr Ziel und Ihre Zielerreichung hängt maßgeblich davon ab, wie gut Sie Ihre Zielgruppe erreichen. Bringen Sie so viel wie möglich in Erfahrung, beispielsweise:

  • Präsentationsspezifisch
    • Interessen
    • Vorwissen zum Thema
    • Einstellung zum Thema (Befürworter, Kritiker, Neutral, …)
    • Motivation zur Teilnahme (Interesse, Abgesandter, Prüfer, …)
    • Erwartungen zum Thema und zur Präsentation
  • Unternehmensspezifisch
    • Hierarchieebene
    • Funktion / Tätigkeit
    • Interne / externe Mitarbeiter
    • Entscheidungsspielraum
  • Allgemein
    • Anzahl der Zuhörer
    • Alter
    • Ausbildung, Beruf

Überlegen Sie, wie Sie Ihre Zielgruppe bestmöglich informieren, unterhalten, usw. Ein Geschäftsführer erwartet andere Informationen als ein Sachbearbeiter. Ein fachlicher Experte fühlt sich durch andere Elemente (z.B. Wortspiele, war stories) unterhalten als ein Laie. Jede gute Präsentation orientiert sich am Publikum (da ist es wieder, das unsägliche Wort). Überlegen Sie, wie Sie die Inhalte, die genutzten Medien und den Wortschatz für Ihr Ziel und Ihre Zielgruppe anpassen.

Als Projektleiter gibt es eine Zielgruppe, mit der Sie üblicherweise oft interagieren: der Lenkungsausschuss. Bei relevanten Projekten ist dieser oft mit Geschäftsführern, Bereichsleitern, CIO u.ä. besetzt. In der Regel informieren Sie über den Projektfortschritt und führen Entscheidungen herbei. Diese Zielgruppe zeichnet sich meistens durch zwei Eigenschaften aus:

  • Die Teilnehmer sind extrem schnell im Kopf
  • Die Teilnehmer haben wenig Zeit

Ich habe gute Erfahrungen gemacht, auf diese Besonderheiten einzugehen. Hierfür nutze ich zwei Instrumente:

  • Ich verschicke eine ausführliche Unterlage mit allen relevanten Details vorab -> die Teilnehmer können diese zu einem Zeitpunkt lesen, der ihnen genehm ist und sie lesen schneller als ich spreche
  • In der eigentlichen Diskussion nutze ich eine stark verkürzte Version und gehe nur auf die kritischen Informationsbedarfe bzw. Empfehlungen ein sowie eventuelle Fragen

Habe ich Sie überzeugt, bei Ihrer nächsten Präsentation über Ihr Ziel und Ihre Zielgruppe nachzudenken? Ich freue mich über Ihr Feedback!

PS: Vielleicht finden Sie einige interessante Hinweise zur visuellen Gestaltung in meinen Beiträgen Aufschreiben und visualisieren – eine Führungsaufgabe? und Überlasse niemandem die Deutungshoheit über Daten

PPS: Hier gibt es die Videoversion dieses Beitrags.

Der Königsweg zum erfolgreichen Projekt

Veröffentlicht am 1 KommentarVeröffentlicht in Project Leadership, Projektmanagement

Ich habe in vielen Projekten gearbeitet. Alle Projekte waren mit viel Arbeit verbunden. Alle Projekte waren mehr oder weniger ordentlich geplant und durchgeführt. Manche Projekte haben wirklich Spaß gemacht. In anderen Projekten habe ich mich Montags schon auf das Wochenende gefreut. In machen Projekten habe ich mich täglich neuen Herausforderungen gestellt und sie gemeistert. In anderen Projekten grüßte täglich das Murmeltier. Manche Projekte waren wirtschaftlich erfolgreich und führten zu begeisterten Nutzern und Kunden. Andere Projekte führten zu langen Gesichtern.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was die Gemeinsamkeiten in den erfolgreichen Projekten waren. Vielleicht gibt es nicht den einen Königsweg, da die handelnden Personen, Unternehmen und Themen zu unterschiedlich sind. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass ein Projekt umso erfolgreicher wird, je besser drei Rollen ausgefüllt sind: Der Leader verdeutlicht uns, warum wir im Projekt arbeiten. Der Manager formuliert, wie wir im Projekt arbeiten. Und der Coach motiviert uns zur kontinuierlichen Verbesserung.

Jetzt fragen Sie sich vermutlich, warum es diese drei Rollen benötigt. Die Antwort ist einfach: Wir sind Menschen. Projekte sind keine Organisationen, Systeme oder Maschinen. Projekte sind eine Ansammlung von Menschen, die an dem gleichen Thema arbeiten. Je höher die Motivation der Menschen ist und je besser die Zusammenarbeit funktioniert, desto erfolgreicher wird das Projekt. Was die üblichen Projektmanagementseminare lehren (egal ob klassisch oder agil) sind lediglich Hygienefaktoren – aber keine Erfolgsfaktoren.

Der Königsweg zum erfolgreichen Projekt führt über motivierte Menschen, die perfekt zusammenarbeiten.

Motivierte Menschen sehen einen Sinn in ihrer Arbeit. Sie kennen und teilen die Vision des Projektes. Sie können jede der tausend täglichen Entscheidungen auf das Projektzielausrichten. Daher ist die Rolle des Leaders entscheidend.

Motivierte Menschen entwickeln sich ständig weiter. Sie streben nach Exzellenz in ihrem Fachgebiet. Sie wollen und müssen gefordert werden – raus aus der Komfortzone. Motivierte Menschen dürsten nach Feedback. Daher ist die Rolle des Coaches entscheidend.

Motivierte Menschen können Ihre Arbeit selbst bestimmen. Sie können Entscheidungen selber treffen. Motivierte Menschen sind im Flow und arbeiten in einem beständigen Rhythmus auf ein realistisches Ziel hin. Daher ist die Rolle des Managers entscheidend.

Vielleicht denken Sie jetzt „na wunderbar, das sind doch genau die Aufgaben eines Projektleiters“. Und ja, ich habe Projektleiter gesehen, welche diese drei Rollen gut ausgefüllt haben. Meiner Meinung ist dies aber eher die Ausnahme als die Regel, die meisten Projektleiter haben einen Schwerpunkt in einer oder zwei dieser Rollen. Dies ist aber auch nicht weiter schlimm, es geht nicht darum, dass eine Person alle Rollen ausfüllen muss. Sie können die Rollen auch auf mehrere Schultern verteilen. Insofern nehmen Sie doch diesen Beitrag als Gedankenanstoß:

  • Welche dieser Rollen füllen Sie gut aus?
  • Welche dieser Rollen wird ggf. von anderen Teammitgliedern ausgefüllt?
  • Welche dieser Rollen ist noch vakant?

Lassen Sie uns in Projekten Spaß haben! Lassen Sie uns in Projekten neue Herausforderungen meistern! Lassen Sie uns unsere Nutzer und Kunden begeistern! Lassen Sie uns einen einfachen Königsweg zu asphaltierten Straßen, baumgesäumten Alleen und prächtigen Boulevards ausbauen!

Ich freue mich auf Ihr Feedback.

PS: Hier geht es zu einer Videoversion des Beitrags.