Ein Kandidat für einen Job passt nicht. Was tun?

team Oct 12, 2020
 

Ein potenzieller neuer Mitarbeiter überzeugt dich nicht. Was tun? Ihn rundheraus ablehnen? Seine Motivation hinterfragen? Ihn fit für den Job machen? Ich habe in dieser Situation gleich drei kapitale Fehler gemacht. Ich habe nicht auf seine Motivation geachtet, ich habe die Ziele meiner Abteilung nicht konsequent genug verfolgt und in der Einarbeitung geschludert. Aber ich habe meine Lehren daraus gezogen, die ich in diesem Video teile. Wir müssen nicht alle die gleichen Fehler machen.


Transkript des Videos (automatisch erzeugt, bitte entschuldige mögliche Fehler)

Hallo! Ich berichte ja immer gerne davon, wie wichtig es ist, sich Zeit dafür zu nehmen, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Und ich erzähle ja auch immer, dass es - wie soll ich sagen - nicht nur auf die fachlichen Qualifikationen ankommt. Und was ich auch regelmäßig mache, ist, dass ich über meine Leadership Fehler berichte. Immer mit dem Ziel, dass du nicht genau die gleichen Fehler nochmal machen musst, wenn ich schon einmal ins Fettnäpfchen getreten bin.

Naja, und in diesem Fall habe ich gleich drei kapitale Fehler auf einmal gemacht. Worum geht es? Ich habe in einem Unternehmen einen neuen Mitarbeiter gesucht und es ging darum, die Stelle eines fachlichen Projektleiters zu besetzen. Insofern habe ich jemanden gesucht, der einerseits natürlich fachliches Know-how hatte und zum anderen aber auch in - ich sage jetzt mal - Erfahrung als Projektleiter oder Product Owner hatte und so ein bisschen in der IT-Welt, in Software Entwicklungsprojekten, affin war. Jetzt war es so: Ein Kollege in diesem Unternehmen hat sich auf diese Stelle beworben. Ich habe mir den Lebenslauf angeschaut, wir haben ein Vorstellungsgespräch geführt und für mich war relativ schnell klar: Hmm, nee, er ist es nicht. Fachlich war das in Ordnung, aber bislang überhaupt keine Erfahrung in der Softwareentwicklung und auch überhaupt keine Fähigkeiten was das Thema Projektleitung angeht. Insofern: Ich hatte da ziemlich schnell ein Kreuzchen dran gemacht und gesagt: Nee, das ist nicht. Das war quasi schon mein erster Fehler. Ich habe nämlich ausschließlich auf seine fachlichen Qualifikationen geschaut. Ich habe nicht darauf geschaut, ob er motiviert war, denn er war hochmotiviert. Er wollte diesen Job unbedingt haben. Und es war ihm auch bewusst, dass er eigentlich nicht so richtig auf diese Stelle passte. Aber er hat trotzdem gesagt: Ich will das unbedingt machen. Und ich bin bereit, alles dafür zu tun, was notwendig ist. Er war bereit, entsprechend viel zu lernen. Er wollte diese Stelle unbedingt haben, aber ich habe das leider Gottes ignoriert. Und hinzu kommt auch: In der Vergangenheit hatte er sich immer sehr für das Unternehmen engagiert. Also auch da: es war jetzt nicht so, dass er irgendwie Arbeit nach Vorschrift gemacht hat und irgendwie um 5 Uhr den Griffel hat fallen gelassen. Nein, auch in der Vergangenheit hatte er schon gezeigt, dass ihm unser Unternehmen wichtig ist und dass er sich dafür auch engagiert. Und was man ihm auch zugutehalten muss: Er war extrem kommunikativ. Er konnte Themen auf den Punkt bringen. Er kannte viele Leute in dem Unternehmen, er hatte ein gutes Netzwerk. Was ihn sicherlich auch in seinem neuen Job zugutegekommen wäre. Was ich aber auch ignoriert habe. Also, ich habe ausschließlich auf seine fachlichen, formalen Qualifikationen geachtet, obwohl ich eigentlich der Meinung bin, dass das gar nicht so entscheidend ist. Das war mein Fehler Nummer eins.

Aber okay, die Geschichte geht ja noch weiter. Ich hab ja noch zwei andere Fehler gemacht. In dem Fall war es so, dass der Kollege die Rückendeckung der Geschäftsführung hatte und jetzt nicht hier irgendwie, weil das seine Buddies waren oder er ein Protegé oder so, sondern es gab tatsächlich halbwegs logische und nachvollziehbare Gründe, warum die Geschäftsführung auf mich zukam und sagte: Ja, Nico, wir wissen, du hast ihn abgelehnt, aber du nimmst ihn trotzdem. So, und da war ich dann erstmal konsterniert. Und ich habe auch versucht, die Konsequenzen aufzuzeigen. Aber ich bin relativ früh eingeknickt. Das heißt, ich habe nicht wirklich gekämpft und das war mein zweiter Fehler. Denn die Probleme für das Unternehmen, für meine Abteilung und auch für mich, die waren ja absehbar. Denn das war quasi eine Senior Projektleitungsstelle und hinter so einer Stelle da steckt ja auch eine gewisse Erwartung, was die dann bringen soll. Also da so eine gewisse Nutzen-Erwartung dahinter. Und in dem Moment, wo man quasi eine Person auf diese Stelle setzt, die zumindest mal formal nicht dafür qualifiziert ist, kann man ja auch nicht mehr diesen Nutzen erwarten. Das war also quasi das Dilemma, in dem aus meiner Sicht das Unternehmen stand. Und in meiner Abteilung war dann auch absehbar: Es wird zu Diskussionen kommen. Warum ist der denn Senior Projektleiter? Warum hat er das entsprechende Gehalt und ich nicht? Ich mache doch genau das Gleiche. Oder vielleicht sogar: ich mache das besser als er, weil ich mehr Erfahrung im Thema Projektmanagement habe. Also, diese Diskussionen und diese Unzufriedenheit in der Abteilung, die war eigentlich auch absehbar. Und die Konsequenz für mich war auch absehbar. Ja, da kommt jemand, der hat bislang relativ wenig Erfahrung im Projektgeschäft. Der braucht natürlich eine besondere Betreuung. Der braucht ein besonderes Coaching, damit er überhaupt in seiner neuen Rolle mit seiner neuen Aufgabe klarkommt. Und in dem Moment, wo ich mich insbesondere um ihn kümmere, kann ich meine Aufmerksamkeit nicht gleichzeitig auf andere Mitarbeiter oder andere Themen lenken. Also insofern: Die Herausforderungen waren absehbar und nichtsdestotrotz habe ich nicht entschieden genug dafür gekämpft, eine andere Person mit dieser Aufgabe zu betreuen. Vielleicht um auch nochmal etwas anderen Blickwinkel drauf zu packen: Solche Stellen in einer Abteilung, die fallen ja auch nicht vom Himmel. Da steckt eine gewisse Erwartung dahinter, was man damit als Unternehmen erreichen will. Da steckt natürlich auch eine gewisse Erwartung dahinter, was du als Abteilungsleiter erreichen willst und in dem Moment, wo du jemanden in dein Team aufnimmst und du gleichzeitig überzeugt bist: Wenn der in deinem Team ist, dann kannst du deine Ziele nicht mehr erreichen. Dann solltest du kämpfen. Es geht ja darum, es geht ja gar nicht um die Person, findest du die nett oder doof oder wie auch immer, es geht ja darum: Schaffst du es irgendwie, deine Ziele zu erreichen, deine Vision zu verwirklichen? Und wenn du selber nicht davon überzeugt bist, dann kämpfe.

Aber auch hier: die Geschichte geht ja noch weiter. Der Kollege kam also zu uns in die Abteilung und wir überlegten: was machen wir denn jetzt so mit ihm? Die erste Idee war: Ach, er macht jetzt erst mal eine Schulung. Das heißt, wir haben für ihn eine Product Owner Schulung organisiert bei einem externen Trainings Unternehmen. Da ist er auch hingegangen. Aber im Nachhinein muss man sagen, das war die falsche Schulung zur falschen Zeit, denn ihm fehlte quasi das ganze Hintergrundwissen. Was passiert denn eigentlich in einem Software Entwicklungsprojekt? Was für Themen schlagen da auf? Was für Probleme hat man? Was für Aufgaben hat man? Wie arbeiten eigentlich Entwickler oder Designer oder Tester? Wie arbeitet man in einem Software Entwicklungsprojekt zusammen? Dieses ganze Hintergrundwissen hatte er nicht in dem Moment, als er zu der Schulung gegangen ist und insofern war auch, naja, die Schulung nicht wirklich erfolgreich. Gut, dann haben wir weiter überlegt. Naja, vielleicht ein bisschen Training on the job. Komm, du hilfst mal bei diesem Thema mit. Du hilfst mal in jenem Projekt mit, du unterstützt mal den Kollegen. Also, er war immer so ein bisschen der Lückenfüller, der überall so ein bisschen mitgearbeitet hat, aber nie so richtig zum Zuge kam. Und das war mein dritter Fehler. Obwohl ja absehbar war, dass dieser Kollege eine intensive Betreuung und ein intensives Coaching braucht, habe ich es versäumt, für ihn einen Einarbeitungsplan zu erstellen. Eigentlich bin ich ja immer so ein Freund von Training on the Job. Da ist irgendeine Aufgabe und ein neuer Kollege und man schmeißt den da einfach rein und sieht dann mal zu, was er so macht, wie er sich bewährt und guckt dann, wo er Unterstützung braucht und wie man ihm helfen kann, bis es am Ende funktioniert. Und das funktioniert in meiner Erfahrung auch ziemlich gut, wenn man Mitarbeiter hat, die so ungefähr verstehen, was sie tun sollen. Ja, die müssen ja gar nicht perfekt sein. Die müssen das auch gar nicht aus dem Effeff verstehen. Aber sie müssen mal ein rudimentäres Verständnis davon haben, was sie erwartet, damit sie zumindest wissen, an welcher Stelle sie anfangen, sich da irgendwie einzulesen, einzufühlen, einzuarbeiten. Und ich hatte ja schon gesagt, hier fehlte genau dieses Basiswissen, dieses Grundlagenwissen, das fehlte. Das heißt der Kollege, der wusste auch gar nicht, wo er überhaupt anfangen sollte, und er hätte hier viel, eine viel stärkere und intensivere Betreuung gebraucht. Und ich hab's halt versäumt zu erkennen, dass das notwendig ist. Und das bringt mich immer zu diesem schönen Spruch. Achte mal darauf, ob deine Lösungen für die Probleme von gestern auch noch die richtigen Lösungen für die Probleme von heute sind. Ich bin einfach davon ausgegangen: Das, was ich schon immer gemacht habe und was in der Vergangenheit immer funktioniert hat, das wird dieses Mal wieder funktionieren. Tja, war halt nicht so. Ziemlich blöd gelaufen.

Nun gut, ich habe also in dieser Situation sehr, sehr viel über Mitarbeiterführung gelernt. Ich habe sehr viel darüber gelernt, mich selbst kontinuierlich zu hinterfragen Warum mache ich eigentlich das, was ich tue und bringt mich das meinem Ziel näher und bringt es auch uns als Team, unserem Ziel näher? Ich habe in dieser Situation offensichtlich ziemlich viele Fehler gemacht und es tut mir echt leid für den Kollegen, dass er - wie soll ich sagen - unter diesen Fehlern leiden musste. Ja, ich wünschte, es wäre anders gewesen. Nun kann ich leider die Vergangenheit nicht ändern, aber ich weiß, dass ich diese Fehler nicht nochmal machen werde. Und ich habe die Hoffnung, wenn du das siehst, und wenn du hier jetzt noch einen Moment drüber nachdenkst, dass du diese Fehler ebenfalls nicht machst.

Ja, in diesem Sinne: ich wünsche dir viel Freude in der Projektarbeit und denk immer daran: das Leben ist zu kurz, um in beschissenen Projekten zu arbeiten. Bis bald.

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